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Die Trauer und die Höflichkeit

Ich bin in Trauer. Dies ist ein Trauerhaus. Es gibt Tage, da würde ich am liebsten ein Schild dranmachen. Oder mir eins umhängen. Nicht, damit man besonders liebreizend mit mir umgeht - das erwarte nicht, und wer weiß, ob's  mir überhaupt gut täte. Nein, nur damit man akzeptiert, was nun mal so ist. Ich trauere. Und, ja, ich trauere um zwei Menschen, die sehr, sehr alt geworden sind. Doch, doch, ich trauere! Ja, trotzdem, man stelle sich das vor! Obwohl die doch so alt geworden sind! Doch! Ich trauere um sie! Und nein, es ist nicht neurotisch. Es ist, ganz schlicht und einfach, Trauer. Die ist nämlich nicht abhängig von der Länge des Lebens, das verlosch. Auch nicht davon, wie gut der Mensch war, der starb. Nicht mal davon, dass man zu ihm ein gutes Verhältnis hatte. Im Gegenteil, ein zwiespältiges Verhältnis macht die Trauer viel schwieriger und oft auch langwieriger. Man trauert nie nur um das, was man hatte, man trauert ja auch um das, was man nicht hatte. Die Erwartungshaltung, dass ich die Sache binnen vier Wochen erledige und abhake, weil es ja alte Menschen waren, ist völlig absurd. Genauso absurd wie die Trauerkarte, auf der stand: "Es mag Dir ein Trost sein, dass Du Deinen Vater so lange hattest. Mein Vater starb, als ich dreißig war." Nee, leider nicht. Weder war mir das eine noch das andere ein Trost. - Möge mein Beitrag alle diejenigen stärken, die das Gefühl haben, andere Menschen wollen ihnen ihre Trauer nicht zugestehen. Lasst sie, ihr kriegt sie nicht rum. Man kann andere nicht belehren. Lebt ihnen einfach vor, was ihr für richtig haltet. Und lasst euch nicht beirren.

29.11.15 14:42, kommentieren

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Gespräche, die geistern, statt zu begeistern ...

Langweilige Arbeiten im Haushalt ... Dabei merke ich es am schnellsten: Ich fange an, Leuten, die nicht da sind, allerhand zu erklären, wonach sie, wenn sie da wären, nie gefragt hätten. Und jedesmal, wenn ich es merke, frage ich mich, was das eigentlich soll. Für ein gutes Mittel gegen Langeweile halte ich es eigentlich nicht. Wenn mich die Leute wirklich interessieren, wäre es der bessere Weg, zum Telefonhörer zu greifen, und sie ihre Fragen gegebenenfalls doch lieber selber stellen zu lassen. Tatsächlich hat das mit den Leuten gar nichts zu tun, es scheint eher mit einer Art Schuldbewusstsein verknüpft zu sein. Man hört es nicht immer deutlich raus, aber mit einiger Übung entdeckt man darin Rechtfertigungsversuche. Passiert mir auch unterwegs mit völlig Fremden. Ich gehe spazieren und erkläre dabei Leuten, die mich gar nicht sehen, Dinge, nach denen sie, wenn sie mich sehen würden, nicht fragen würden. Ich rechtfertige mich innerlich bei den Hausbesitzern dafür, dass ich einen raschen Blick in ihr gardinenloses Fenster geworfen habe- Herrje ... Wenn es die stören würde, dass Vorübergehende ihre Deko sehen, hätten die entweder keine hingestellt oder sich Gardinen gekauft. Diese permanente innere Rechtfertigungsschiene ist nervig und absurd. Ganz besonders wundert mich, dass ausgerechnet ich sie habe, wo ich doch dafür bekannt bin, sowieso zu tun und zu lassen, was ich will ... Hm ... :-) Ich sollte wohl noch mal etwas gründlicher hinter diese Fassade schauen ... :-) Hinter meine eigene Deko zusagen, hinter das, was sich da hinter der Gardine befindet, von der ich gar nicht wusste, dass sie da hängt ...

 

18.10.15 18:28, kommentieren